Weniger gießen, weniger Schädlinge: Hydrokultur im Winter
Zimmerpflanzen leiden im Winter mehr als in jeder anderen Jahreszeit. Die Tage sind kurz, die Heizungsluft trocknet die Blätter aus, und viele Gewächse stehen in nährstoffarmer Erde, die kaum noch Sauerstoff an die Wurzeln lässt. Wer jetzt regelmäßig gießt, riskiert Staunässe und Wurzelfäule, denn die Pflanzen verbrauchen bei schwachem Licht deutlich weniger Wasser. Genau hier setzt Hydrokultur an: Statt in Erde wurzeln die Pflanzen in einem anorganischen Substrat wie Blähton, das Wasser speichert, aber gleichzeitig Luft an die Wurzeln lässt. Das Gießen wird zur Nebensache, weil ein Vorratsbehälter die Versorgung übernimmt.
Der wichtigste Vorteil im Winter ist die Kontrolle über die Feuchtigkeit. In Erde lässt sich kaum erkennen, wie nass der Wurzelballen tatsächlich ist. Blähton dagegen zeigt den Wasserstand im Topf, und die Wurzeln faulen nicht, wenn man einmal zu viel gegossen hat. Schädlinge wie Trauermücken, die ihre Eier in feuchte Erde legen, finden in Hydrokultur keinen Lebensraum mehr. Wer seine Zimmerpflanzen auf Hydrokultur umstellen möchte, sollte den Umbau allerdings nicht mitten in der dunkelsten Jahreszeit beginnen. Besser ist das Frühjahr, wenn die Pflanzen ohnehin neu austreiben und die Umstellung leichter verkraften.
Ein weiterer Punkt, der im Winter schwer wiegt: Die Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen sinkt oft unter dreißig Prozent. Viele tropische Pflanzen reagieren darauf mit braunen Blattspitzen und verkümmertem Wachstum. Hydrokultur löst dieses Problem nicht von allein, aber sie erleichtert die Pflege enorm. Ein Wasserstandsanzeiger zeigt, wann nachgefüllt werden muss, und das ist je nach Pflanzengröße nur alle zwei bis vier Wochen der Fall. Dünger kommt in stark verdünnter Form ins Wasser, und die Wurzeln nehmen genau so viel auf, wie sie brauchen. Staunässe, der häufigste Grund für das Absterben von Zimmerpflanzen, tritt praktisch nicht mehr auf.
Wer bereits Hydrokultur nutzt, sollte im Winter auf zwei Dinge achten. Das Wasser im Vorratsbehälter darf nicht eiskalt sein, denn kalte Wurzeln hemmen die Aufnahme von Nährstoffen. Zimmertemperatur ist ideal. Außerdem brauchen die Pflanzen auch bei schwachem Licht eine gewisse Menge an Nährstoffen, allerdings deutlich weniger als im Sommer. Eine reduzierte Düngergabe alle sechs bis acht Wochen reicht aus. Wer diese Regeln befolgt, bringt seine Pflanzen gesund durch die kalte Jahreszeit und muss sich weder über Schädlinge noch über faulende Wurzeln ärgern.